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PROJEKT MÄRTYRER
 

Projekt
Götzen - Gerechtigkeit - Märtyrer
Von der unterdrückten Wahrheit

 

 

„Sie alle, von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, sind nur auf Gewinn aus;
vom Propheten bis zum Priester betrügen sie alle.
Den Schaden meines Volkes möchten sie leichthin heilen, indem sie sagen: Frieden! Frieden! – Aber da ist kein Friede.
Schämen müssten sie sich, weil sie Gräuel verübt haben.
Doch sie schämen sich nicht; Scham ist ihnen unbekannt.
Deshalb müssen sie mit denen fallen, die fallen.
Sobald ich sie heimsuche, werden sie stürzen, spricht der HERR.“
(Prophet Jeremia)

(Jer 6,13-15; Einheitsübersetzung)




Bildnachweis

Bild: Udo Manshausen

 

Vorwort

Als ich am 8.12.2020 angesichts ihres Gedenktages auf die französische Ordensfrau Alice Domon aufmerksam wurde, traf mich eine tiefe Berührung, mit der ich nicht gerechnet hatte. Genau in dem Jahre 1977, als ich mit meinem Theologiestudium begann, starb Schwester Alice nach schwerer Folter durch die Chargen des damaligen Militärregimes in Argentinien. Damals hatte ich vom Tod der Schwester Alice keine Kenntnis, die aufgrund ihrer selbstlosen Identifikation mit den Armen, getragen durch ihre Beziehung zu Gott, ermordet wurde.
Während diese bewusste Folter und Tötung eines Menschen geschah, begann ich aus einer eher komfortablen Lebenssituation heraus mein Studium über Gott. Und somit frage ich mich zurückblickend beschämt, wo ich mich für meine Mitmenschen eingesetzt habe, sodass ich selbst aufgrund meines Handelns im Glauben eine existenzielle Grenze meines Lebens beschritten habe, ähnlich wie zahlreiche Glaubende ihr Leben bis an den Tod heranreichend eingesetzt haben, von denen ich gehört oder über die ich gelesen habe.
Sein eigenes Leben für andere bis an die Grenzen der eigenen Existenz aufzuopfern, ist sicher kein ‚Muss‘ des christlichen Glaubens. Aber bin ich noch auf einem wertvollen Weg des Glaubens an Gott, so frage ich mich, wenn ich mein Mitleiden auf Gedanken beschränke und mehr Sorge für mein eigenes Wohlbefinden trage?
Auf derartige Gedankenströme wird es so schnell keine konkreten Antworten geben, bis auf die denkbaren Erläuterungen meiner Rechtfertigungen, die doch schnell zusammengestellt sind.
Um diese Lebensthematik in mir selbst lebendig zu halten und zugleich an einige christliche Märtyrer zu erinnern, möchte ich im Rahmen eines kleinen geistigen Projektes, einige Personen in das Bewusstsein der Gegenwart holen, die bewusst ihre Beziehung zu Gott durch den intensiven Einsatz ihres Lebens gestaltet haben.
Die hier besprochenen Biographien sollen symbolisch als Beispiele für die Möglichkeit einer Befreiung vom allgegenwärtigen angstvollen Angepasstsein stehen, da diese vor allem eine Gottesbeziehung zum Ausdruck bringen, indem sich Personen in gefahrvoller Weise ganz auf die Seite der unterdrückten Menschen gestellt oder Wahrheiten schonungslos veröffentlicht haben.
Als Ausgangspunkt für einen solch aufopfernden Einsatz steht die Befreiung von sich selbst im Hinblick auf das eigene egozentrische Begehren sowie die persönliche Befreiung von der Gedankendiktatur der Herrschenden in Kirche und Politik. Dabei rücken der Glaube und das barmherzige Handeln ganz im Sinne des Jesus aus Nazareth vollends in den Mittelpunkt der Lebensgestaltung.
Es bleibt nachvollziehbar, dass die Herrschenden durch Spione, Denunzianten und Inquisiteure die Botschaft Jesu von der individuellen Befreiung zu Gott sowie die Propheten dieser Botschaft auslöschen wollen, ganz so wie es Jesus selbst erfahren durfte. Die Botschaft Gottes an alle Menschen beinhaltet, dass jeder einzelne Mensch ohne Verzweckung einen eigenen Wesenswert in sich selbst trägt. Im Sinne dieser Überlieferung soll, darf und muss auf jeden Fall zur Sprache gebracht werden, was Gott in der ureigenen Seele der einzelnen Menschen offenbart hat.
Die Befreiung von der Angst vor den Menschen und vor der Zukunft im Leben mit göttlicher Hilfe hebelt jedwede machtorientierte Hierarchie in ihren Grundfesten aus, da sich im innig befreiten Menschen ein Urvertrauen in eine göttliche Stärke ausbreiten kann, die eine innere Unabhängigkeit von den Menschen erfahren lässt. Unmenschlich geführte hierarchische Systeme stützen hingegen ihre Beziehungen fast ausschließlich durch angstauslösende versteckte und offene Drohungen.
Dass aufrichtige Personen mit einem Glauben an Gott in ihrem Kampf für die Würde jedes Einzelnen umgebracht oder lebendig mundtot gemacht werden – zu allen Zeiten bis in die Gegenwarten hinein –, zeigt die Angst der Mächtigen vor dem offenen Geist dieser durch Gott befreiten Menschen, die auf gerechte Weise Unterdrückungen hinterfragen, aufdecken und barmherzig sein wollen.
Die größte Kraft und somit die Chance einer Befreiung liegen somit vor allem in einem ideologisch unverstellten Bewusstsein, – gerade auch getragen durch einen freien Glauben an Gott und eine offene und freie Beziehung ihm gegenüber –, dass die Wirklichkeit so aufnimmt, wie sie tatsächlich ist. Die seelische Befreiung kann keineswegs durch zerstörerische Waffen und mit den Mitteln von Bedrohungen verschiedenster Art erwirkt werden, da sie von einer inneren Freiheit getragen sein muss.
Während der Entwicklung und Gestaltung dieses Projektes über viele Wochen hinweg blieb mir oftmals der Atem stocken. Dieser Atemstillstand entstand sowohl im Hinblick auf die beschriebene Brutalität mit der diesen Menschen der Lauterkeit, den Märtyrern, begegnet wurde als auch bezogen auf die Erinnerung an die Wesenszüge der Botschaft Jesu, die maßgeblich durch die Kirchenführer im Laufe der Geschichte bis in die heutigen Tage hinein zu einer Ideologie des eigenen systemischen Machtinteresses hingebogen wurden, damit das Geld fließen, Macht ausgeübt und die Unterdrückung der Menschen auf vielfältige Weise mit Hilfe einer uninspirierten Glaubenslehre – da diese ohne weitere Offenbarungen in die Steine der Kirchen gemeißelt wurde – erhalten bleiben kann.

Udo Manshausen, Niederkassel, Januar 2021

 

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