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GESPRÄCH ZWISCHEN WÜSTENVATER UND MANAGER
 

"Mitten in der ägyptischen Wüste, der Manager ist gerade mit einem Geländewagen vor die Einsiedelei des Wüstenvaters vorgefahren.

Wüstenvater: Sie kommen gerade recht. Sie können mir helfen, die kleinen Bäume in meinem Garten zu gießen.

Manager: Das muss aber unter uns bleiben. Meine Familie und meine Mitarbeiter wissen, dass ich hier zu einer Beratung bin und Zuhause, da habe ich einen Gärtner für solche Arbeiten.

Das Wichtige im Leben besteht darin, dass wir erkennen, woraus sich das Leben aufbaut und was uns Kraft gibt.

Dafür bin ich ja zu Ihnen gefahren, um das zu erfahren.

Hier in der Wüste geschieht nichts ohne Mühe. Die körperliche Anstrengung ist zusammen mit dem geistigen Training ein heilsames Mittel gegen die Langweile und den Überdruss. Hier in der Wüste zählt jeder Tropfen.

Und wann kann ich mit Ihnen über meine Probleme sprechen?"


"Ich glaube, ich habe viel vom Dasein begriffen. Immerhin nehme ich eine wichtige Position in der Gesellschaft ein. Mein Einfluss ist ziemlich groß. Ein solches Ziel können Sie nur erreichen, wenn Sie die Spielregeln kennen und wissen, was gespielt wird.

Wenn Sie hier kein Wasser haben, werden Sie verdursten.

Aber das ist nicht mein Thema. Zuhause gibt es genügend Wasser.

Und warum haben Sie dann diese beschwerliche Reise zu mir unternommen?"


"
Aber wie soll ich das, was mich trägt, denn nur herausfinden! Jetzt sagen Sie bitte nicht, dass dies Gott sei – für mich nicht. Ich habe meinen Glauben schon lange verloren, jedoch nur deshalb, weil Gott mir nicht mehr geantwortet hat.

Als Nächstes möchte ich Sie bitten, allein dort oben auf das Felsenplateau zu gehen, damit Sie sich einen Überblick über die Gegend, über Ihre Gedanken und über Ihre Anliegen verschaffen.

Das kann doch nun wirklich nicht Ihr Ernst sein. In der Hitze – und ganz allein hinaufsteigen?

Der Ausblick lohnt sich. Ich gehe jeden Tag dort hinauf, um Gott näher zu sein. Jedes Mal spüre ich durch die Anstrengung hindurch, wie schwach ich doch in Wirklichkeit bin, obwohl mein Geist in der Zelle zu großem Selbstbewusstsein aufsteigt.

Und Sie meinen, ich sollte wirklich dort hinauf? Es gibt doch auch andere Möglichkeiten, ein Brainstorming zu machen."


"Haben Sie Angst, sich in der Wüste zu verlaufen, weil Sie sich noch nicht auskennen? Es geht um Ihren individuellen Weg. Keiner sieht Ihnen zu, keiner hört Sie, niemand wird Sie auf der Anhöhe bemerken. Das ist das Gute hier an diesem Ort. Wir können zur Erkenntnis gelangen, ohne dafür Lob zu erhalten.

Was soll daran gut sein? Das verstehe ich nicht! Mein Hauptantrieb ist es, Erfolg zu haben und Anerkennung zu bekommen.

Vielleicht werden Sie daran gehindert, sich ehrlich zu betrachten, weil die eigenen kritischen Stimmen schwer auszuhalten sind. Aber warum wollen Sie sich weiter etwas vormachen über das, was in Wirklichkeit anders ist?

Und wenn ich wirklich ehrlich zu mir und den anderen bin: Wer findet mich dann noch sympathisch? Wer akzeptiert mich weiterhin, wenn man merkt, wie ängstlich und verzweifelt ich im Grunde meines Herzens bin, weil ich mich ausgebrannt fühle? Ich weiß nicht, ob Sie es verstehen können, aber ich möchte einfach aussteigen. Aber was wird dann sein?"



"Natürlich wissen auch jene, dass sie sterben werden – irgendwann. Aber ein solches Denken gehört nicht in den beruflichen Alltag und ist eher an der Reihe, wenn jemand gestorben ist. Immerhin muss ich meine Mitarbeiter nach ökonomischen Gesichtspunkten führen.

Können der finanzielle Ruin oder massiven Verluste nicht ebenso tödlich sein?

Sie haben sicher Recht. Aber dabei geht es nicht um Menschen, sondern um totes Kapital.

Ach, Sie sind der Ansicht, das Kapital sei schon gestorben?

Sie wissen schon, wie dieses zu verstehen ist. Das sagt man halt so. Natürlich kann das Geld auch lebendig werden, wenn man es richtig einsetzt. Jedoch, um darüber etwas zu erfahren, dafür habe ich nicht den weiten Weg hierher gemacht. Ich weiß, dass auch ich sterben werde. Dieses hilft mir allerdings in meinem täglichen Kampf nicht sonderlich weiter."

Am liebsten möchte ich sofort wieder wegfahren, aber es scheint nicht einfach zu sein, von diesem Ort wegzukommen.

Doch – es gibt eine Möglichkeit. Geben Sie Ihren Widerstand auf!"

Seite 157ff.



Führen mit Harmonie und Gelassenheit