Sie sind hier: Aktuelles  

AKTUELLES
 











 
 

Bildnachweis

Urheberrecht [31 KB]

Meditationsbrief

Weihnachten 2020

Vom Traum der Geborgenheit

Liebe Leserinnen und Leser!

Haben Maria, ihre Mutter Anna sowie das Kind in der Krippe, dargestellt auf dem Gemälde ‚Die Heilige Familie am Abend’* aus der Schule Rembrandts, nichts Besseres zu tun, als einfach dazusitzen und im schwachen Lichtsein der Dunkelheit zu verweilen?

Sich womöglich durch Worte erleuchten zu lassen wie von einem natürlichen Licht, birgt die Gefahr in sich, eventuell die wichtigen Dinge im Leben zu versäumen: sein Einkommen selbst zu generieren, Befehle zu empfangen und auszuführen, sein Glück selber zu schmieden, andere auszugrenzen – die das eigene Wohlempfinden stören, sich für etwas Besseres zu halten – um den Abgrund eigener Leere zu überdecken, möglichst immer zu handeln – damit die Sinnlosigkeit oder Absurdität die eigene Seele nicht besetzen kann ... und Weihnachten nicht zu vergessen – wegen der Geschenke! Und eines Tages beginnen sich die Szenen des zurückliegenden eigenen Lebens ungefragt einzublenden. Ohne dass diese sich angekündigt hätten, haben sie offenkundig keine Verbindung zur Gegenwärtigkeit im Raum der irdischen Zeit. Es sind Bilder berührender Begebenheiten, in denen das Ich in Augenblicken ganz bei sich selbst war, und es sind Erinnerungen, in denen die Seele ganz abseits von den anderen mit sich selbst im Frieden verweilte. Und die Sehnsucht wendet sich nunmehr noch stärker pochend an die leere Gegenwart mit dem Wunsch, sich geborgen fühlen zu wollen ganz im Innern. Tränen fließen und eine unbestimmte Verlorenheit breitet sich aus in das Unendliche, um willenlos das Göttliche zu finden.

Im Verständnis des Evangelisten Matthäus werden das Göttliche und im Besonderen die Erfahrungen mit der Botschaft des Jesus aus Nazareth nur jenseits einer konstruierten oder rein logischen Wirklichkeit zu begreifen sein, sodass es der Traumbotschaft eines Engels bedarf, um Heilsames für die eigene Seele empfangen zu können**: „Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“***

Wenigstens in der Stille dürfen wir sein, wie wir sind und der erneute Eintritt des Bewusstseins in die uns umgebende Wirklichkeit mit ihren Bedingungen und Bewertungen sowie Erniedrigungen kann schmerzvoll sein, wenn wir dadurch unserer wahrhaftigen Träume beraubt werden, die keine Illusion sind, da sie uns eingegeben sind.
Wer wir in der Tiefe unserer Seele aufscheinend erfahrbar sind, können wir nicht erdenken; die Entdeckung unseres ureigenen Selbst geschieht jenseits des schwachen Scheins unseres Bewusstseins, indem wir uns mit Hilfe eines göttlichen Empfindens wohlwollend betrachten können, ohne ein Treffen mit Gott selbst vereinbart oder eine Leistung erbracht oder ein Empfehlungsschreiben eingereicht zu haben. Für Gott sind wir von grundlegender Bedeutung und diese wird umso wahrhaftiger, desto deutlicher wir für die Mitmenschen in der Masse der Anonymität verschwinden.
Gott stören wir keineswegs mit unserer Schwachheit, unserer gesellschaftlichen Unbrauchbarkeit und unserer Vereinsamung.

Das Entscheidende im Leben geschieht, davon ist der Evangelist Matthäus überzeugt, im Innern wie in einem Schlaf, der uns des Selbstgeschaffenen und des eingeschlossenen Willens enthebt, damit wir frei werden können, um frei zu sein. Ganz in diesem Sinne schreibt der Psalmist: „Es ist umsonst, dass ihr früh aufstehet und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt es der Herr im Schlaf.“****
Und es bleibt zu wünschen, dass sich im Hinblick auf eine derart losgelöste Erfahrung das ereignet, das sich in den folgenden Worten ausgedrückt findet: ‚Da habe ich im Traum nicht dran gedacht.’

Etwas anderes ist es, wenn wir schwärmend Fotos von unserer neuen Segelyacht präsentieren und hinzufügen: ‚Ist das nicht ein Traum?’ Leider können wir mit dieser im Hafen unserer Seele keinen Ankerplatz finden.

Wenn Sie die Stimme wie von einem Engel hören, rufen Sie bitte keinen Arzt zur Hilfe, sondern genießen Sie die an Sie übermittelte Botschaft. Versuchen Sie dieses Erlebnis erst gar nicht in Worte zu fassen, sondern tauchen Sie hinein in Ihr eigenes göttliches Selbst, bevor diese heilige Umnachtung gestört wird, da Sie von den anderen erneut umzingelt werden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine umnachtete Weihnacht.

U*D*O*-*M*A*N*S*H*A*U*S*E*N

* Zur Einblicknahme: https://www.meisterdrucke.de/kunstdrucke/Rembrandt-van-Rijn/622449/Die-heilige-Familie-in-der-Nacht,-um-1642-48.html ** vgl. Eugen Drewermann, Das Matthäusevangelium, Erster Teil: Mt 1,1-7,29. Bilder der Erfüllung, Olten / Freiburg i. Br., 1. Aufl. 1992, 2 *** Matthäusevangelium 1,18-22; Einheitsübers. **** Ps 127,2; Lutherbibel 2017

 

Download
Weihnachten 2020 [205 KB]


Download Audiodatei
(rechte Maustaste, Ziel speichern unter ...)
Weihnachten 2020 [205 KB]


Jahrgänge Meditationsbriefe

Erläuterung Kalli-Graphik

 

nächster Meditationsbrief 24.1.2021