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Meditationsbrief

Lebendige Abbilder

Leitgedanke für die Woche

Welche geistigen Ecksteine haben Sie bereits in Ihrem Dasein verworfen?

Aus dem Gedankengut der Wüstenväter

Evagrius Ponticus: „Zur Seele, über eine außergewöhnlich unbeschreibliche Versuchung. Ich möchte diese nicht durch Worte enthüllen angesichts der Menschen, die verbunden sind gleichsam mit ihrer Verdorbenheit und ihrem speziellen Charakter, der sowohl gewissenhafte als auch unernste Worte verhöhnt und weil die Dämonen die Mönche, die dies nicht erahnen, offenkundig zerstören; diese Menschen haben jedoch absolut keine Erfahrung mit der Kampfführung der Dämonen, die aufgrund ihres Einforderns von Gott die Befugnis haben, uns über die Versuchung zu ergreifen. 2 Kor 1,9-10: ‚Aber was uns betrifft, hatten wir schon das Todesurteil gesprochen, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzen, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt. Er hat uns aus dieser großen Todesnot errettet und wird uns retten; auf ihm ruht unsere Hoffnung, dass er uns auch in Zukunft retten wird.’“*

Impuls

Welches Bild wir auch erfinden und aufgreifen mögen, um innere Versuchungen und höllische Kämpfe im Raum der inneren Dunkelheit zu beschreiben, sie gehören mit zum Wesen des Menschen, den Gott erschaffen hat. Es werden jedoch fast nur die sichtbaren Siege von Wettkämpfen unterschiedlichster Art in Statuen und Ehrungen für die Nachwelt sichtbar festgehalten. Anders verhält es sich mit den unzählig gewonnenen inneren Kämpfen, die zur persönlichen Heilung und zum Vorbild für den Mitmenschen herangereift sind. Solche Menschen werden nicht auf Säulen gestellt, sondern wirken wie bewegliche Bilder, die in unserer Seele lebendig werden können. Wenn wir diese beiden Wirklichkeiten miteinbeziehen – die Ehrung der Menschen durch Mausoleen und Standbilder auf der einen Seite sowie die seelisch lebendige Ausstrahlung auf der anderen, die oftmals tief in unsere Herzen hineinwirkt –, können wir die Worte, die Jesu selbst sagt, und die bezogen auf ihn hin geschrieben sind, tiefgreifender auffassen: „Habt ihr nie in der Schrift gelesen: ‚Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden’; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen?“**
Sollten wir nicht vor allem die Personen in den herzlichen Blick nehmen, bei denen die heilsamen inneren Kämpfe zu einer sanften Ausstrahlung herangereift sind?
Der Bischof Theodoret von Cyrus möchte wesentlich aus dem folgenden Ansinnen heraus, das Lebenswerk einiger Mönche im Gedenken an sie erhalten. Er schreibt: „Sie haben selbst die hohe Tugend der früheren Heiligen nachgeahmt, nicht in Erz und Buchstaben ihr Andenken eingrabend, sondern ihr ganzes Tugendstreben im eigenen Ich abformend, lebendige Bilder und Statuen gleichsam geworden. Welche Entschuldigung gäbe es da für uns, wenn wir nicht einmal durch das geschriebene Wort ihr ruhmvolles Leben ehrten? Empfangen doch solche Ehrung die Fechter und Kämpfer in den olympischen Spielen, die man durch Standbilder auszeichnet, und die Wagenlenker, die als Sieger aus dem Pferderennen hervorgehen ... Wir aber stellen eine Lebensart dar, die die Tugend lehrt und dem Wandel im Himmel nachstrebt. Wir malen nicht körperliche Züge, noch zeigen wir unsere Bildnisse Leuten, die sie nicht fassen. Wir zeichnen die Gestalten unsichtbarer Seelen und schildern Kriege und Kämpfe, die man nicht sehen kann.“***
Viele scheinen vergessen zu haben, wie wesentlich innere Freiheit, Vernunft, Frieden, Liebe und Gebet für unser Sein sind, die besonders durch Vorbilder in uns hineinwirken können.

Selbsterkenntnis

Wenn ich für andere bete, sieht es nach außen hin so aus, als würde ich nichts für sie tun.Aus dem Leben der Wüstenväter

Abbas Poimen: „‚Wenn der Mensch zwei Dinge überwindet, kann er frei werden von dieser Welt.’ Der Bruder fragte: ‚Welche sind es?’ Er antwortete: ‚Die leibliche Ruhe und der eitle Ruhm.’“****

U*D*O*-*M*A*N*S*H*A*U*S*E*N

* Antirrhetikos, Traurigkeit Nr. 72, übers. v. U. Manshausen a. d. Griech. n. Frankenberg, 512; 2. Korintherbrief; Einheitsübers. ** Mt 21,42; Einheitsübers. *** Theodoret von Cyrus (+ 466), Mönchsgeschichte (Historia Religiosa), generiert von der elektronischen BKV von Gregor Emmeneger, (BKV Bd. 50, München 1926), 2 **** Weisung der Väter, übers. v. Bonifaz Miller, Trier 1986, 223

 

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