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Meditationsbrief

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Leitgedanke für die Woche

Wie gehen Sie mit Ihren chaotischen Gedankengefühlen um?

Aus dem Gedankengut der Wüstenväter

Evagrius Ponticus: „Gegen den Dämon, der sich gegen das Wort Gottes stellt, indem er die falsche Aussage übermittelt, das schmutzige Gedanken Speisen seien. Mt 15,11: ‚Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.’“*

Impuls

Es gibt vor allem zwei Weisen, die eigenen Gefühle nach außen zu tragen: auf der einen Seite zeigt sich eine unbearbeitete Veröffentlichung der eigenen Stimmung, die im Hinblick auf düstere, zornige oder liebevollen Gefühle von einer unmittelbaren Form des Ausdrucks geprägt ist; auf der anderen Seite gibt es eine bereinigte Darlegung der aggressiven, ungestümen oder leidenschaftlichen Innenwelt, die uns vor falschen Äußerungen und Handlungen bewahrt, es sei denn, wir würden die lautere Liebe zurückhalten.
Jesus kritisiert die Einstellung, die davon ausgeht, durch das Einhalten von äußeren Formen zu einem guten Menschen werden zu können, jedoch dabei uns selbst und anderen angesichts unserer brüchigen Innenwelt voller unguter und böser Gefühle etwas vormachen. Dies ist vergleichbar mit schlechten Handlungen, die im Verborgenen vollzogen werden und dennoch meist irgendwann an die Oberfläche zur Wahrheit gelangen.
Über Jahrhunderte wird den Menschen bis in die heutige Zeit eingeredet, sie seien unwürdige Geschöpfe aufgrund ihrer abstrusen Gedanken und Gefühle, die in ihnen aufkommen. Dabei wird völlig ausgeblendet, dass wir bei den meisten Gedankengefühlen an ihrem Entstehen bewusst nicht beteiligt sind und uns selbst unerwartet mit ihnen konfrontiert sehen. Aufgrund dieser Wirklichkeit haben die Wüstenväter ganz im Geiste des göttlichen Jesus eine andere Empfehlung an ihre Mitbrüder. Abbas Poimen sagt: „Ein Bruder kam zum Altvater Poimen und sagte: ‚Vater, ich habe vielerlei Gedanken und komme durch sie in Gefahr.’ Der Altvater führte ihn ins Freie und sagte zu ihm: ‚Breite dein Obergewand aus und halte die Winde auf!’ Er antwortete: ‚Das kann ich nicht!’ Da sagte der Greis zu ihm: ‚Wenn du das nicht kannst, dann kannst du auch deine Gedanken nicht hindern, zu dir zu kommen. Aber es ist deine Aufgabe, ihnen zu widerstehen!’“** Ebenso wenig können wir verhindern, dass so manche Gefühlswelten von außen in uns eindringen und sich ausbreiten.
Wie viele Menschen wurden in Gedanken bereits umgebracht und es ist Gott sei Dank nicht geschehen. Es ist zudem nicht selten, dass auch die guten Gedanken oftmals daran gehindert werden, dass sie sich entwickeln und sich in Handlungen entfalten, weil ein derartiges Menschsein womöglich egomanen Interessen zuwiderlaufen könnte.
Die Wüstenväter nehmen sich ausreichend Zeit, ihre Gedankengewirre zu ergründen, damit ihr Handeln nicht von bösen Geistern durchdrungen bleibt. Tatsächlich begründen in der modernen Welt zahlreiche Erdbewohner ihr Verhalten rechtfertigend mit den Worten ‚So bin ich eben!’ und wir könnten denkend entgegnen ‚Es muss ja nicht so bleiben!’.

Selbsterkenntnis

Gut, dass die anderen meist nicht wissen, was ich wirklich empfinde. Das wäre schrecklich.

Aus dem Leben der Wüstenväter

„Jemand sagte zum Altvater Arsenios: ‚Meine Gedanken quälen mich, indem sie mir sagen: Du kannst nicht fasten und auch nicht arbeiten, so besuche wenigstens die Kranken; denn auch das ist Liebe.’ Der Greis aber, der den Samen der Dämonen kannte, sagte zu ihm: ‚Geh und iß, trinke, schlafe und arbeite nicht!’ Er wusste nämlich, dass das Ausharren im Kellion den Mönch in seine rechte Ordnung bringt.“***

U*D*O*-*M*A*N*S*H*A*U*S*E*N

* Antirrhetikos, Hochmut Nr. 49e, übers. v. U. Manshausen a. d. Griech. n. Frankenberg, 545; Matthäusevangelium; Einheitsübers. ** Weisung der Väter, übers. v. Bonifaz Miller, Trier 1986, 216 *** ebd., 26-27

 

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