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Das eigene Leben


 

Foto: Udo Manshausen

 

„Wir alle haben den Wunsch, ein unverwechselbares Individuum zu sein, Wie sehr, merken wir daran, wie empfindlich wir reagieren, wenn jemand unseren Namen verwechselt oder entstellt: wir wollen nicht beliebig austauschbar sein; wir wollen das Bewusstsein unserer Einmaligkeit als Individuum haben. Das Bestreben, uns von anderen zu unterschieden, ist uns ebenso mitgegeben wie das dazu gegensätzliche, als soziale Wesen zu Gruppen oder Kollektiven dazuzugehören. Wir wollen sowohl unsere persönlichen Interessen leben dürfen, als wir auch in partnerschaftlicher Verbundenheit und mitmenschlicher Bezogenheit und Verantwortung stehen möchten.“

Fritz Riemann


(Fritz Riemann, Grundformen der Angst, München-Basel 1996, 20)

 

Es geht selbstverständlich stets um das eigene Leben, unabhängig davon, ob wir uns für etwas oder jemanden einsetzen oder bestimmten Verpflichtungen nachgehen.
Irgendwann erschallt zwangsläufig in jedem von uns der deutliche Ruf: ‚Ich brauche Zeit für mich!‘ Blickt man später auf die konkrete Ausfüllung dieser ‚Zeit für sich‘ zurück, wundert man sich oftmals darüber, was innerhalb dieser Zeit ‚alles‘ gemacht wurde: ‚Für ‚diese Dinge‘ brauchte tatsächlich jemand Zeit für sich selbst?!‘
Eine tiefere Betrachtung dieses Phänomens zeigt jedoch, dass dieser Ruf nach ‚einer Zeit für sich selbst‘ in Wahrheit bedeutet: ‚Ich möchte eine Zeitlang mein eigenes Leben führen und gestalten dürfen.‘ Wir möchten nicht nur von äußeren Ansprüchen an uns geradezu getrieben werden, sondern wir sehnen uns nach einem Gespür, das von unserer unmissverständlichen Individualität getragen wird: Wir möchten so sein dürfen, wie wir in Wirklichkeit sind – zumindest für ein paar Stunden oder für einige Zeit.
Manchmal erfolgt die harsche Rückmeldung auf die Bestrebung, ein Einzelwesen sein zu dürfen, mit den folgenden Worten: ‚Wer bist du denn schon, dass du dir erlaubst, dir so etwas herauszunehmen? Wir haben uns alle anzupassen.‘ Darauf kann es nur eine Antwort geben: ‚Ich bin ich und du bist du!‘


„Worauf sollen wir hören?
Worauf sollen wir hören, sag uns worauf?
So viele Geräusche –
welches ist wichtig?
So viele Beweise –
welcher ist richtig?
So viele Reden –
ein Wort ist wahr.

Wohin sollen wir gehen, sag uns wohin?
So viele Termine –
welcher ist wichtig?
So viele Parolen –
welche ist richtig?
So viele Straßen –
ein Weg ist wahr.

Wofür sollen wir leben, sag uns wofür?
So viele Gedanken –
welcher ist wichtig?
So viele Programme –
welches ist richtig?
So viele Fragen –
die Liebe zählt.“ (1)

Lothar Zenetti


U*D*O*-*M*A*N*S*H*A*U*S*E*N

1) ‚Siehe, der Mensch’, Lothar Zenetti (1926-2019, Theologe und Priester), Auf seiner Spur. Texte aus gläubiger Zuversicht, 2. Aufl., Mainz 2001, 101.

 

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