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Meditationsbrief

blutleere Einsamkeit

Leitgedanke für die Woche

Was tun Sie, wenn Sie in ein schmerzvolles Alleinsein hineingeworfen werden?

Aus dem Gedankengut der Wüstenväter

Evagrius Ponticus: „Gegen den Gedanken, der uns empfiehlt, die Heißspornigen und Aufbrausenden mit Zuneigung zu betrachten. Spr 22,24-25: ‚Sei einem wütenden Mann kein Gefährte, mit einem zornigen Freund bewohne keinen gemeinsamen Hof, damit du niemals von seinen Wegen lernst und deiner Seele nicht Schlingen anlegst.’“*

Impuls

Evagrius rät seinen Mitbrüdern, die Anziehungskräfte der Mitmenschen überprüfend zu hinterfragen. In der Wüste eine Begleitung zu verlieren, ist mit Sicherheit sehr tragisch. Es sollte jedoch nicht dazu verleiten, vieles hinzunehmen, um dem gänzlichen Alleinsein entfliehen zu wollen. Dies wird letztlich sowieso nicht gelingen können. Ein jeder wird zur Einsamkeit zurückkehren, auch wenn er sich dagegen wehrt und unsinnige Dinge tut, um ihr entfliehen zu wollen und davon überzeugt ist, sich mit einer Zweisamkeit weitab zu wähnen vom Gefühl eines ganz für sich selbst stehenden Ichs. Wir alle werden hineingestoßen werden in das Alleinsein der Einsamkeit, wo meist die seelischen Kämpfe beginnen, in denen das wie dämonisch anmutende Gewirr der Gedankenströme hervorbricht und die pulsierende Angst sich mit dem Herzschlag verbindet, sodass unser Lebensfluss geprägt wird von einem stockenden und missmutigen Atem, wenn es nicht sogar so weit kommt, dass die Verzweiflung Wohnung in den Gedanken nimmt.
Der Einsiedler Charles de Foucauld führt dem glaubenden Geist vor Augen: „Niemals Angst zu haben gehört zu dem, was wir unserem Herrn schuldig sind ... Angst haben bedeutet, ihn zweifach beleidigen; es bedeutet erstens ihn vergessen, vergessen, dass er mit uns ist, dass er uns liebt und dass er allmächtig ist; und zweitens bedeutet es, dass wir uns nicht nach seinem Willen richten, denn wenn wir unseren Willen nach dem seinen richten, werden wir uns freuen über alles, was geschieht, da alles, was geschieht, von ihm gewollt oder zugelassen ist, und werden niemals Sorge und Angst haben ... So haben wir doch diesen Glauben, der alle Furcht ausschließt! Unser Herr Jesus ist bei uns, ganz nahe, in uns, unser Gott, der uns unendlich liebt und allmächtig ist, der weiß, was gut ist für uns, der uns gesagt hat, wir sollten das Himmelreich suchen und alles würde uns dann gegeben werden.“**
Als der Wüstenvater Antonius in einem Grabbau wohnte, wurde er derart von inneren Angriffen gefesselt, dass ihm der Blick für Gott völlig verdunkelt wurde. In der Vita des Antonius wird angesichts dessen beschrieben: „Der Herr aber hatte auch in dieser Versuchung das Ringen des Antonius nicht vergessen, sondern kam ihm zur Hilfe. Denn als er nach oben blickte, sah er, wie das Dach gleichsam geöffnet wurde und ein Lichtstrahl zu ihm herabkam. Die Dämonen waren plötzlich unsichtbar; der Schmerz in seinem Körper hatte sofort aufgehört ... Antonius spürte die Hilfe und atmete, von Schmerzen befreit, erleichtert auf.“*** Ein Psalmist, der das Himmelreich sucht, betet zu Gott: „Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn einsam und elend bin ich.“****

Selbsterkenntnis

Mein Geist ist oft im Dunkeln und hat die Liebe verloren. Ich hoffe auf das Licht des Himmelreichs.

Aus dem Leben der Wüstenväter

„Brüder kamen an ihrem Wohnort in Bedrängnis, und so wollten sie ihn aufgeben und kamen zum Altvater Ammonas. Der Alte befand sich gerade auf einer Schifffahrt. Als er sie neben dem Ufer wandern sah, sprach er zu den Schiffsleuten: ‚Setzt mich ans Land.’ Dann rief er die Brüder und sagte: ‚Ich bin der Ammonas, zu dem ihr kommen wollt.’ Er tröstete ihre Herzen und bestimmte sie, dahin zurückzukehren, von wo sie ausgegangen waren. Denn ihre Angelegenheit war keine Schädigung für ihre Seelen, sondern eine rein menschliche Drangsal.“*****

U*D*O*-*M*A*N*S*H*A*U*S*E*N

* Antirrhetikos, Zorn Nr. 26, übers. v. U. Manshausen a. d. Griech. n. Frankenberg, 517; Septuaginta deutsch. Das griechische AT in dt. Übers., hrsg. v. W. Kraus / M. Karrer, Stuttgart 2010, Sprichwörter ** Charles de Foucauld, Aufzeichnungen und Briefe, zusammengestellt von Jean-Francois Six, Freiburg i. Br., 1962, 84-85 *** Athanasius, Vita Antonii, hrsg. v. A. Gottfried, übers. v. H. Przybyla, Wien 1987, 37 **** Ps 25,16; Elberfelder Bibel ***** Weisung der Väter, übers. v. Bonifaz Miller, Trier 1986, 49

 

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