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AKTUELLES

Meditationsbrief

Erlösende Genugtuung

Leitgedanke für die Woche

Welche Rachepläne stehen kurz vor der Verwirklichung?

Aus dem Gedankengut der Wüstenväter

Evagrius Ponticus: „Zur Seele, die danach verlangt herauszufinden, was fürwahr mit den Dämonen am Tag des Gerichts geschehen wird und welcher Art die Folterqualen sind, denen diese ausgesetzt werden; diese Art der Folterung beschreibt aber der Prophet abgründig, wenn er sagt: Sach 14,12: ‚Und dies wird der Zusammenbruch sein, mit dem der Herr alle Völker schlagen wird, die gegen Jerusalem marschiert sind: Ihre Muskeln werden dahinschwinden, während sie auf ihren Füßen stehen, ihre Augen werden aus ihren Höhlen fließen und ihre Zunge wird in ihrem Munde dahinschwinden.’“*

Impuls

Die Traurigkeit wird von zwei Gefühlsweisen bestimmt. Es gibt die weiche Betroffenheit im Sinne der Betrübtheit angesichts des seelischen Schmerzes und ebenso pulsiert die Seele heftig, angetrieben durch die Schonungslosigkeit des Wutgefühls, mit der Genugtuung erwirkt werden soll.
Die Vorstellungen von einem ‚Jüngsten Gericht’ oder einem ‚Endgericht’ sind in verschiedenen Kulturen beschrieben. Diese gründen maßgeblich nicht in einem Wunsch nach Rache oder Bestrafung, sondern sie sind zuallererst verbunden mit der Sehnsucht nach Erlösung von den schrecklichen Zuständen, die uns widerfahren sind. Der Prophet Jesaja schreibt: „Er (Gott) wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.“** Der Evangelist Lukas steht ganz in dieser geistigen Tradition, wenn er ankündigt, dass Jesus, der Menschensohn, zurückkehren wird, um das friedvolle Reich Gottes zu verwirklichen, sodass sich das Hier und Jetzt verändern wird. Er schreibt: „Wenn dies beginnt, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“*** Die Gerechtigkeit wird somit hineingehoben in die Gegenwart.
Das Verlangen nach Befreiung steht im Vordergrund und keineswegs die Vergeltung. Wir haben erfahren können, dass die blinde Rachsucht im Grunde nichts bewirken kann, sondern uns hingegen weiter hineintreibt in die Gefangenschaft des Zerstörerischen. Aus dem Baltikum ist uns der folgende Sinnspruch überliefert: „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht: Alles ist Gnade, fürchte dich nicht.“**** Es wird kein Dasein geben, ohne Wendungen im Leben, die entweder voll sind von Schatten oder dass wir durch diese erleuchtet werden. Die Gerechtigkeit bleibt nur menschlich bezogen und somit begrenzt, wenn wir der Maßstab für diese sein wollen. Menschen können uns nicht erlösen in die Weite der Unendlichkeit des Herzens hinein im Sinne eines göttlichen Wohlwollens, dass die Befreiung mit sich führt.
Das körperliche Schicksal, das der Prophet Sacharja anführt, ereilt jeden von uns, unabhängig von unserem Benehmen. Er möchte deutlich machen, wie unansehnlich wir werden können.

Selbsterkenntnis

Wenn ich aussuchen kann zwischen Rache und Erlösung, so wähle ich die Befreiung.

Aus dem Leben der Wüstenväter

„Der Altvater Isidor erzählte: ‚Ich ging einmal aus, um auf dem Markt kleine Geräte zu verkaufen, und als ich merkte, dass der Zorn über mich kommen wollte, ließ ich die Geräte stehen und floh.’“*****

U*D*O*-*M*A*N*S*H*A*U*S*E*N

* Antirrhetikos, Traurigkeit Nr. 57, übers. v. U. Manshausen a. d. Griech. n. Frankenberg, 511; Septuaginta deutsch. Das griechische AT in dt. Übers., hrsg. v. W. Kraus / M. Karrer, Stuttgart 2010, Sacharja ** Jes 2,4; Einheitsübers. *** Lk 21,28; Einheitsübers. **** Herrnhuter Losungen, hrsg. v. d. Ev. Brüder-Unität im Friedrich Reinhardt Verlag Lörrach/Basel, Freitag, den 13.9.2019, Aus dem Baltikum, Mennonitisches Gesangbuch Nr. 383 ***** Weisung der Väter, übers. v. Bonifaz Miller, Trier 1986, 129

 

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