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Meditation der Vorwoche

Götzen Gerechtigkeit Märtyrer Götzen - Gerechtigkeit - Märtyrer "Sie alle, von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, sind nur auf Gewinn aus; vom Propheten bis zum Priester betrügen sie alle. Den Schaden meines Volkes möchten ...



Erkrankung und Sinnfindung

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Die Meditationsbriefe Jahrgänge 2014 und 2015 stehen zum Download bereit
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Projekt Worte hören

Worte hören


 

Ich ohne Mittelpunkt

Ein Hörstück von Udo Manshausen

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Projekt
Götzen - Gerechtigkeit - Märtyrer
Von der unterdrückten Wahrheit

 

Götzen Gerechtigkeit Märtyrer 


Bildnachweis

Udo Manshausen

 

„Sie alle, von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, sind nur auf Gewinn aus;
vom Propheten bis zum Priester betrügen sie alle.
Den Schaden meines Volkes möchten sie leichthin heilen, indem sie sagen: Frieden! Frieden! – Aber da ist kein Friede.
Schämen müssten sie sich, weil sie Gräuel verübt haben.
Doch sie schämen sich nicht; Scham ist ihnen unbekannt.
Deshalb müssen sie mit denen fallen, die fallen.
Sobald ich sie heimsuche, werden sie stürzen, spricht der HERR.“
(Prophet Jeremia)

(Jer 6,13-15; Einheitsübersetzung)




 

Liebe Leserinnen und Leser!

In den nächsten Wochen möchte ich Sie gedanklich mit hineinnehmen in mein Projekt ‚Götzen – Gerechtigkeit – Märtyrer / Von der unterdrückten Wahrheit’.
Es kommt mir vor wie mein intensivstes Gedankenprojekt. Dies liegt sicher darin begründet, dass es noch nicht abgeschlossen ist und sich täglich weiterentwickelt, aber womöglich auch an den Verbindungen zu aktuellen Tagesbezügen und den Leidenspunkten innerhalb meiner eigenen Biographie.
Gemäß der Lesegewohnheit bei den bisherigen Meditationsbriefen werden jeweils kleinere Abschnitte veröffentlicht.

Udo Manshausen

 

Einführung

Das Lebenszeugnis und die Gedankenwelt der Personen, die hier zur Sprache kommen sollen, ermöglichen uns durch ihren barmherzigen Einsatz für die Mitmenschen sowie durch ihre göttlich inspirierten Gedankenströme eine existenzielle Betrachtung der menschlichen Unterdrückung zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten der Welt. Es wird in diesem Projekt festgehalten, wie diese ‚unliebsamen Geister’ ihres Lebens durch die Mächtigen beraubt wurden.

Gleichsam kann der tragische Tod dieser engagierten Menschen eine kritische Anfrage an uns selbst sein: Weichen wir einem naheliegenden Kampf für eine barmherzige Gerechtigkeit womöglich deswegen oftmals aus, weil wir unsere eigene komfortable Situation nicht gefährden wollen?

Für die Christen gilt es außerdem zu entscheiden, ob sie sich wie Jesus von Nazareth nur zum Gebet zurückziehen oder ob die an Gott Glaubenden wie Jesus ihr Leben für den Mitmenschen bis an die menschlichen Grenzen einsetzen möchten. Ohne den Einsatz für den Menschen bleiben die Gottesdienste lediglich Folklore.

In einem ersten Aufmerken wird der Frage nachgegangen, warum diese Menschen sterben mussten, die sich für die Gerechtigkeit im Sinne Gottes eingesetzt haben.

Wenn jemand aufgrund seiner Überzeugungen beseitigt wird, geht es um weit mehr als nur um Meinungsverschiedenheiten. Märtyrer stellen den Lebensvollzug des Einzelnen und in besonderer Weise der Führenden in ihrer Seinstiefe kritisch infrage, indem sie deren oberflächlichen Werte oftmals als seelenlose Götzen entlarven, von denen fehlgeleitete soziale Gefüge und Gruppen beseelt sind, indem sie diese verherrlichen und ihnen huldigen als wären diese Gott.

Je höher die Akzeptanz für die materiellen Güter und das Sklaventum moderner Prägung ist, desto größer ist die Gefahr für diejenigen, die diese seelenlose unmenschliche ‚Falschheit’ aufdecken, die Ausdruck übler Ungerechtigkeiten ist.

Als erstes Zeugnis für den Einsatz des eigenen Lebens im Glauben wird das Handeln des Jesuiten Ignacio Ellacuría in El Salvador beschrieben. Er nahm das Vorbild Jesu ernst, indem er sich wie er für die Armen und Unterdrückten einsetzte. Ellacuría brachte vor allem den Menschen das Handeln Jesu für die Armen nahe. Genau an dieser Schnittstelle zwischen dem leidenden Menschen und dem barmherzigen Gott liegt für ihn die Zuversicht für die Menschen, die eine Befreiung ermöglichen kann. Gerade dieser Geist wurde in der Bevölkerung mit tödlichen Waffen bekämpft, denen auch Ellacuría zum Opfer fiel.

Die französische Ordensfrau Alice Domon folgte ihrer Berufung und ging in die Missionsarbeit nach Argentinien. Zunächst lebte sie in einem Armenviertel in Buenos Aires und später teilte sie ihr Leben mit den Landarbeitern. Sie verwirklichte für sich das Ziel, ganz wie die Ärmsten der Armen zu leben. Dabei unterstütze sie den Lebensalltag der Menschen in ihrer Umgebung, indem sie einsprang, wo Hilfe notwendig war. Da die Ordensleute in Argentinien unter dem Militärregime einen gewissen Schutz hatten, kappte sie später alle rechtlichen Bindungen zu ihrer Kongregation, um sich gänzlich mit den Armen zu solidarisieren. Als sie sich den Müttern „Madres de Plaza de Mayo“ anschloss, die in Form einer Protestbewegung das Militärregime unaufhörlich nach ihren verschwundenen Kindern fragte, wurde sie entführt, gefoltert und mit einem Flugzeug über dem Meer abgeworfen.


Die Fortführung der Einleitung erfolgt in kursiver Schriftform.





 

Teil 12

4.3 Persönliche Wege in Verbindung mit Gott

Umzug in ein Elendsviertel von Buenos Aires

Alice Domon beginnt im Jahre 1957 ihr Noviziat in der französischen Ordensgemeinschaft der Missionsschwestern den ‚Soeurs des Missiones Etrangères’.
Sie siedelt im Jahre 1967 nach Argentinien in die Stadt Morón – Provinz Buenos Aires – über. Dort unterrichtet sie Kinder mit Down-Syndrom im Rahmen der Katechese.

Zwei Jahre später entscheidet sie sich, mit ihrer Mitschwester Montserrat in das Armenviertel ‚Villa Lugano’, einem südlichen Stadtteil von Buenos Aires zu ziehen. Die beiden Schwestern wollen mit ihrem Einsatz für die Armen eine neue Glaubwürdigkeit verleihen, indem sie auf ihren Komfort im Konvent verzichten.*


* vgl. Arlette Welty-Domon, Gefoltert um der Gerechtigkeit willen, a.a.O., 21.

 

 

Bildnachweis:Kartenausschnitt: südl. Stadtteil von Buenos Aires ‚Villa Lugano’. Copyright Google Earth: https://earth.google.com/web/@-34.67111252,-58.49015961,25.89853944a,842.216573d,35y,37.47571692h,21.60731731t,-0r.

 

„Montserrats Bruder errichtet (für die beiden) ... (eine) Holzbaracke im Bezirk Villa Lugano. Ein einziges Zimmer aus zusammengefügten Brettern. 2,7m auf 3m. Eine Tür, ein Fenster, ein Dach aus Faserzement. Die zwei Betten im Innern tagsüber aufeinandergestellt, damit man die Tür öffnen kann. Ein Schrank, ein Schemel, an der Wand zwei kleine Regale, das eine mit vier Büchern, darunter eine Bibel und ein paar Broschüren; auf dem anderen ein kleiner Wecker und eine Nachtlampe. Draußen klettert ein kleiner Rosenstrauch an den Brettern empor."*


* Arlette Welty-Domon, Gefoltert um der Gerechtigkeit willen, a.a.O., 21-22.

 

 

Beispiel für diesen beschriebenen Wohnraum; erstellt von Udo Manshausen.

 

Angesichts einer Übergangsphase ihrer Übersiedlung von der Stadt Morón nach Villa Lugano schreibt sie im Januar 1969 an ihre Eltern:

„Mir geht es gut, nein, mach Euch keine Sorgen. Ich arbeite nicht viel, manchmal verbringe ich ganze Nachmittage mit meinen Freunden, wie ich sie in den Monaten verbracht habe, als ich bei ihnen zu Hause war, und unterhalte mich mit den Leuten, die immer ihre ganze Zeit vor sich haben; das ist das Besondere an den Armen, sie haben nicht viel zu tun, keine Treffen oder diese dringenden Dinge, also haben wir eine tolle Zeit zusammen, wisst Ihr, das ist es, was ich am meisten liebe.“*


Die Ausstrahlung der Armen wie Jesus

„Meine lieben Eltern, für mich läuft es gut, ich führe ein ruhigeres Leben, das Leben der Armen ... Die Leute laden uns oft ein, mit ihnen zu essen; dadurch lernen wir die ganze Familie kennen. Viele fragen uns, aufgrund welcher Idee wir gekommen sind, um mit ihnen zu leben, wenn wir anderswo bestimmt Besseres machen könnten, sie sind sehr berührt und bewegt, wenn wir bescheiden antworten, dass wir sie lieben und dass Gott sie ebenfalls noch mehr liebt als wir. Im Allgemeinen sind dies Menschen, die so sehr unter Hunger und auch unter sozialer Ungerechtigkeit gelitten haben: Jeder glaubt, dass sie schlecht sind, nur weil sie in diesen Elendsvierteln leben, aber jeden Tag entdecken wir im Gegenteil, wie gut sie sind, da sie wissen, wie man sich gegenseitig hilft. Letzten Endes sagen wir manchmal: ‚Sie sind mehr Christen als wir’, weil das, was sie tun, ähnelt irgendwie sehr dem, was Christus getan oder gesagt hat, sodass wir in Bewunderung verweilen ...
... Glaubt nicht, dass unser Leben ein solches Opfer ist, ich würde eher sagen, dass wir freier sind, häufiger großzügig zu sein oder eben nicht, aber sehr oft weigern wir uns wie alle anderen, wir haben Angst, wählen das Einfachste. Deshalb bitten wir den Herrn, uns beim nächsten Mal zu helfen, damit wir weiter voranschreiten können.“**


* Diana Beatriz Vinoles, Lettres d’Alice Domon. Une disparue d’Argentine, Paris 2016, Lettre 14 v. 29.1.1969, 46; Übersetzung a. d. Franz. Udo Manshausen. ** ebd., Lettre 16 v. 25.2.1969, 49-50; Übersetzung a. d. Franz. Udo Manshausen.

 

 

Bildnachweis: Urheber: nickalbi, Dateinummer 139847085, Urheberrecht: https://de.123rf.com/photo_139847085_culture-and-christianity-in-cuzco-peru.html.

 

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Götzen Gerechtigkeit Märtyrer