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AUSZUG AUS DEM KAPITEL NOTFALL
 


Notfall

8. In geistiger Not

8.1 Mit heilsamer Geduld in die dunkle Nacht gehen

Wenn wir angstvoll und erschöpft feststellen, dass wir im Augenblick nichts mehr tun können, wird es Zeit, sich mit vollem Bewusstsein dem Schicksal zu überlassen. Es kann beruhigend wirken, sich vor Augen zu führen, dass das Entscheidende im Leben auf uns zukommen wird. Ist dies nicht bisher in Wahrheit beständig so gewesen? Haben sich nicht die notwendigen Dinge wie von selbst auf natürliche Weise in unserem Dasein gezeigt und sind fast ohne unser Zutun herangewachsen? Was haben wir der Erde an Elementarem hinzugefügt, wenn wir nicht mehr sein werden?

Um unsere Zwänge und unser Drängen in einen Stillstand führen zu können, empfiehlt es sich, das biblische Gleichnis vom Wachsen der Saat zu meditieren. Darin möchte uns Jesus von Nazareth nahe legen, vertrauensvolle Geduld in das Werden der Schöpfung und damit auch in unsere eigene Entwicklung zu haben.

Im Markusevangelium ist uns überliefert:
„Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.“ (Mk 4, 26-29)

Das Reich Gottes umfasst die ganze Welt und jedwede Seele ungeachtet einer sozialen Rolle. Jesus glaubt, dass im vertrauensvollen Warten auf Rettung ein wichtiges Lebensprinzip zur Geltung kommt: Das wirklich Wertvolle im Leben erhalten wir als Geschenk.
Wäre es nicht furchterregend, wenn wir die Liebe erzwingen oder erarbeiten könnten?

In verzweifelter Seelenlage reduziert sich unser Tun, weil wir handlungsunfähig geworden sind, auf das Ein- und Ausatmen, auf das Schlafen und Aufstehen, auf das Bangen und Hoffen. Wenn dies im Moment alles ist, was wir tun können, und uns die Hände gebunden sind, weil wir wie gefangen sind in unserem Schmerz, sollten wir dann nicht abwarten, ohne jetzt eine endgültige Entscheidung zu treffen?
Was wird in Zukunft sein? – Wir wissen es nicht! Jedoch alles wird nicht so wie vorher sein, das ahnen oder wissen wir. Denn die Krise wird unser Bewusstsein verändern, unser Lebenssinn wird sich allmählich erweitern und mit neuer Einsicht werden wir zurückblickend erkennen, dass wir über uns hinausgewachsen sind und dass uns der harte Schnitt der Sichel zu neuen Früchten des Lebens geführt hat.

Heilsam ist die Geduld, wenn mit ihr das Vertrauen in die Schöpfung wächst.

Auszug aus dem Kapitel Krise